smilethings

Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag. I want to make you smile.

Advent, Advent… 20. Dezember

- 21. Dezember 2016

Jetzt also doch noch einige Worte von mir zu den gestrigen Geschehnissen in Berlin.

Dazu muss ich aber zurückgehen in den November 2015, Paris, Veranstaltungshaus Bataclan, Fußballstadion, Cafés, etc. Von diesen Anschlägen war ich vollkommen erschüttert, fassungslos, verängstigt, aufgewühlt. Ich konnte in der Nacht überhaupt nicht schlafen, klebte am Fernseher, auch wenn ich in der Zeit sieben Mal exakt den gleichen Bericht sah, und später an den Live-Tickern im Netz. Ich dachte wirklich: „So, ihr Terroristen, jetzt habt ihr es bei mir geschafft. Ich habe Angst!! Angst rauszugehen, Bahn zu fahren, etc. etc. Wie sollen die Angehörigen dieses brutale Blutbad im Bataclan verarbeiten, indem sie ihre Lieben verloren? Wie soll Frankreich diese nationale Tragödie überwinden/ wegstecken?“

Gestern abend: Nichts von alledem. Ich bemerkte beim Durchschalten die Programmänderung in der ARD, wunderte mich und blieb dran. Dann schnell bei den engsten Freunden nachgefragt, ob bei denen alles ok ist. JA! Keine wirkliche Erschütterung oder Trauer bei mir. Ich dachte eher: „Ok, jetzt also Berlin, musste ja irgendwann passieren. In Paris, Nizza, Syrien, Afghanistan, etc. kamen und kommen viel mehr Menschen ums Leben.“ Ich war erschrocken über mich selbst und fragte mich, wo meine Empathie hin ist. Zwei Antworten hab ich inzwischen darauf gefunden:

  1. Mir ist jetzt umso deutlicher ernüchternd klar geworden, dass ich mich (und auch die Menschen, die mir wichtig sind), so sehr ich auch wollte, nicht vor terroristischen Taten schützen kann. Aber auch nicht vor Amokläufern, Autounfällen, Leiterstürzen, Ohnmacht, bei der man ganz blöde mit dem Kopf irgendwo aufschlägt, oder, oder. Ich kann im Haushalt, im Straßenverkehr, generell umsichtig sein und mich an die Regeln und Gesetze halten. Das kann mögliche Gefahren minimieren, aber niemals ausschließen oder auf Null setzen. Es werden leider, leider überall auf der Welt immer wieder einmal Fanatiker, Gehirngewaschene oder sonstwie geistig verdrehte Menschen ihre kruden Pläne in die Tat umsetzen.
  2. Ich war einfach unglaublich GENERVT!!! Natürlich sollen die Medien über so etwas berichten und Menschen sollen ihre Anteilnahme ausdrücken, ABER: über eine Stunde berichteten ARD, ZDF und andere (Nachrichten)Sender live in Sondersendungen, obwohl die wirklichen Fakten wahrscheinlich in wenigen Minuten erzählt gewesen wären. Klar, man musste die Wartezeit auf neue Erkenntnisse überbrücken und spekulierte dazu in alle möglichen Richtungen. Sofort hatten alle Sender Berichterstatter vor Ort, die aber auch nicht schneller an neue Infos kamen. Immerhin hielten sich unter anderem ARD und ZDF sehr zurück, sofort von einem Terroranschlag zu sprechen. Facebook musste sich natürlich gleich wieder auf BILD-Niveau begeben und im Safety Checker genau davon sprechen. Auch hier wurde allerdings erfreulicherweise im Laufe des Abends auf „Vorfall auf Berliner Weihnachtsmarkt“ mit dem Zwischenschritt „Gewalttat in Berlin“ zurückgerudert. Wie gerade gelesen heißt es nun „Der Anschlag in Berlin“. Gut! Kann man nicht von Anfang an etwas zurückhaltender sein/ bleiben? 2a) Jeder Mensch hat seine eigene Art, Trauer und Mitgefühl auszudrücken und dies sei ihm auch gegönnt. Die Art und Weise wie es in den sozialen Medien passiert, geht mir aber total gegen den Strich. Jetzt werden wieder zig Leute Ihre Profilbilder ändern und/ oder ihre Tweets mit hashtags wie #berlin, #prayforberlin oder sonstwas versehen. Das ist mir alles zu laut, zu groß und teilweise, auch wenn ich jetzt sicher Vielen unrecht tue, zu gewollt und auf einer Welle mitschwimmend. Ich bevorzuge das stille(re) Gedenken. Schweigeminuten, Fahnen auf Halbmast, Lichterketten. Leider wusste ich nicht, dass es heute (20.12.) eine Schweigeminute um 15 Uhr gab. 😦 Wenn einem die Worte fehlen, dann sollte man manchmal einfach auch keine suchen.

Das Schlimmste an all diesen Geschehnissen (Anschlägen, Kriegen, Amokläufen, Attentaten), ganz gleich ob zwei oder hunderte dabei ums Leben kommen , ist: Es trifft IMMER Unschuldige! Nicht nur, aber zum großen, großen Teil. Kinder, Mütter, Väter, … ich kann mir gar nicht vorstellen, wie hoch die Zahl der traumatisierten Menschen auf der Welt sein muss, die solch etwas überlebt oder jemanden dabei verloren haben. Opfer von Folter, Gewalt und Vergewaltigungen kämen noch dazu. Schrecklich!

Könnte man die Täter wieder zu guten, besseren, normaler tickenden, ungefährlicheren Menschen machen, indem man sie mit ganz viel Liebe überschüttet? Praktisch eine umgekehrte Gehirnwäsche. Ich könnte mir vorstellen, dass solche Menschen gar nicht erwarten, dass man ihnen wohlgesonnen oder zumindest respektvoll gegenübertritt. Umso mehr müsste doch ein herzlicher Umgang mit denen bewirken können. Ist Liebe der Schlüssel zu einer besseren Welt? Ich weiß es nicht. Schön wär’s.

Toleranz, Respekt, gegenseitiges Vertrauen wären sicher einer guter Anfang, auch wenn das nicht immer leicht fiele.

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